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Manfred Stoll - Praktischer Tierarzt

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Übergewicht bei Eseln

esel7Mein Esel ist zu dick, - was nun?

Dies ist eine häufige Frage von Eselhaltern. Besonders kommt die Frage auf wenn man es schon mit Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit wie z.B. Hufrehe zu tun hat.

In meinem Artikel über die Fütterung von Eseln bin ich schon einmal eingehend auf die Herkunft der Esel und auf das Futterangebot in der natürlichen Umgebung der Esel eingegangen. Bei dieser Betrachtung wird uns sehr schnell klar, dass unsere Esel hier im Schlaraffenland leben, ja wie würden wir gedeihen wenn wir jeden Tag ein Buffet in einem All Inklusive Hotel vor der Nase hätten? Die naturgemäß karge Nahrung unserer Esel wird durch die kräftigen Zähne sehr gut zerkleinert und im Magen – Darmtrakt enorm ökonomisch aufgeschlossen und resorbiert.

Die Nährstoffe werden zum einen für den täglichen Bedarf eingesetzt aber auch sofort bei nur dem geringsten

Überschuss in Fettzellen gespeichert für schlechtere Zeiten. Nur diese erlebt der Esel in unserer Obhut in der Regel nicht. Der Stoffwechsel der Esel ist aufgrund seiner Herkunft und des Futterangebotes in den Herkunftsgebieten nur auf sehr geringe Fettreserven eingestellt. Aus dem Grund ist es für den Stoffwechsels eines normal ernährten Esels auch kein Risiko in Bedarfssituationen das Kommando zur Fettmobilisation aus den Reserven zu geben.

Ein Problem erwächst erst aus dem Zustand, dass bei fettleibigen Tieren das Kommando von sehr vielen Fettzellen entgegengenommen wird. Deshalb gelangt sehr viel Fett gleichzeitig ins Blut und dann in die Leber was dann den Stoffwechsel entgleisen lässt. Dieser Notruf des Stoffwechsels zur Fettfreisetzung wird bei akutem Hungern oder bei Erkrankungen die mit Futterverweiger ung einhergehen ausgesendet. Im Gegensatz dazu wird bei körperlicher Arbeit nur so viel Fett abgerufen, wie verbrannt wird! Diese Eigenschaften des Stoffwechsels müssen wir beherzigen wenn unser Esel abnehmen soll!

Im Idealfall heißt das Abnehmen durch vermehrte Muskelarbeit. Das ist zwar sehr zeitaufwendig, bringt uns aber auch dazu mit unserem Esel wieder mehr zu tun, was eigentlich der Sinn der Eselhaltung ist! Zu dieser Grundmaßnahme der vermehrten Arbeit, die beim Abnehmen niemals fehlen darf um die Fette zu verbrennen, gehört die angepasste Ernährung:

Der Grundbedarf an Energie eines Esels wird im Durchschnitt mit 1,5 - 2 kg Heu und 1,5 - 2 Kg Stroh pro 100 Kg Körpergewicht gedeckt.

Das sollte auch unsere Richtlinie in der Fütterung des Esels sein wenn wir mit der Gewichtsreduzierung beginnen. Falls vorher andere Mengen gefüttert wurden oder noch Kraftfuttergaben erfolgten, wird das Kraftfutter innerhalb von 14 Tagen auf 0 reduziert und das Raufutter in dieser Zeit angepasst. Da die meisten Eselhalter die Mineralfutter mit dem Kraftfutter verabreichen ist darauf zu achten, dass Mineralfutter separat angeboten wird um den Mineral- und Vitaminbedarf immer zu decken.

Wir empfehlen Biroka Ursonne für Pferde 15g / 100 Kg Esel oder falls das nicht pur gefressen wird Pfizer Horse Supplets 10g / 100 Kg Esel, da das sehr wohlschmeckend ist. Mit steigender Muskelarbeit und gleichbleibender Fütterung sollte die Gewichtsreduzierung gemessen am Brustumfang 1-2 cm / Monat betragen. Reicht die Arbeit nicht aus um diesen Erfolg zu verbuchen reduzieren wir das Heu langsam bis auf 0,5 Kg pro Esel. Es müssen weiterhin immer ausreichend Futterstroh und Äste zur Verfügung stehen um den Raufutterbedarf sicherzustellen!

Um Gesundheitsrisiken bei der Diät zu vermeiden kann ich regelmäßige Blutuntersuchungen empfehlen bei denen einige wichtige Parameter und zur Kontrolle des Fettstoffwechsels die Triglyceride gemessen werden, die zu keiner Zeit der Diät über 380 mg/dl ansteigen sollen! Außerdem kann mithilfe von Blutuntersuchungen nach krankhaften Ursachen von Fettleibigkeit gefahndet werden.

Wem das alles zu kompliziert erscheint der sollte von Anfang an auf eine gute Figur seiner Esel achten, denn Vorbeugung ist leichter als die beste Diät!