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Manfred Stoll - Praktischer Tierarzt

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Hautparasiten bei Eseln

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Parasitosen im Bereich der Haut

Wie man unschwer erkennt bekommt den Insekten und Milben das Klima sehr gut. Unsere Esel sind davon leider nicht sehr erfreut denn so mancher Juckreiz und manche Hauterkrankung hat kleine Mitbewohner unserer Esel als Ursache.

1. Räude

Hierbei handelt es sich um juckende Hauterkrankungen, die durch drei Räudemilbenarten hervorgerufen werden. Die Sarkoptesmilbe ist heutzutage in Mitteleuropa sehr selten geworden. Es handelt sich um eine Grabmilbe, die Bohrgänge in der Haut gräbt und dabei Hautknötchen, - bläschen, - krusten und –borken

verbunden mit hochgradigem Juckreiz und Haarverlust hervorruft. Die Erkrankung beginnt meist am Kopf und breitet sich über den Hals über den ganzen Körper aus.Auch der Mensch kann sich an diese Milbe anstecken. Eine weitere Milbe die Psoroptesmilbe ist eine Saugmilbe. Sie sticht die Haut an und lebt von Lymphflüssigkeit. Die Hautveränderungen sind denen der Sarkoptesräude ähnlich. Neben diesen seltenen Räudearten haben wir es häufiger mit der Chorioptesräude zu tun. Chorioptesmilben leben von Hautschuppen und führen zu maukeähnlichen krustigen Veränderungen im Bereich der Fesselbehänge und der Beine. Die Esel stampfen wegen dem Juckreiz die Beine oft fest auf den Boden, reiben die Beine aneinander oder knabbern an den Beinen und Behängen. Bei einem Verdacht auf Räude wird ein Hautgeschabsel entnommen und mikroskopisch untersucht. Bestätigt sich der Verdacht sind bei den ersten beiden Milbenarten oral Ivermectin einsetzbar und bei den Chorioptesmilben sind Waschungen mit Phosphorsäureestern oder Pyrethroiden wirksam. Das Scheren der Haare und das Entfernen der Krusten ist für den Erfolg der Waschungen bedeutend damit auch möglichst alle Milben mit der Waschung erreicht werden können.

2. Rote Vogelmilbe

Ein sehr hartnäckiger Gast in Geflügelställen kann die rote Vogelmilbe sein. Sie kann mehrere Jahre ohne Blutsaugen überleben, deshalb muß man auch an sie denken, wenn man mit Eseln in einen Stall zieht in dem vor ein paar Jahren vielleicht noch Hühner gehalten wurden! Die Roten Vogelmilben freuen sich nämlich dann auf frisches Blut und kommen aus ihren Ritzen und Verstecken um vornehmlich nachts die Esel zu belästigen und Blut zu saugen. Die Bekämpfung hat nur Erfolg wenn man den Stall gründlich reinigt und mit milbenwirksamen Präparaten desinfiziert.

3. Zeckenbefall

Zecken haben für Esel zweifache Bedeutung: als Schädlinge sowie als Überträger von Krankheitserregern. In wärmeren Regionen können sie eine Blutparasitose, die Piroplasmose übertragen, bei uns kommt häufiger die Zeckenborreliose vor.Es existiert kein für Equiden zugelassenen Zeckenpräparat aber der Pyrethroidhaltige Fliegenschutz „Wellcare Emulsion“ ist auch erfahrungsgemäß gegen Zecken wirksam. Da Zecken sehr wiederstandsfähig sind muß man es sehr großzügig und sorgfältig auftragen. Andere Fliegenpräparate können kurzfristig auch hilfreich sein.

4. Läusebefall

Eselläuse sind 2 – 2,5 mm lange Blutsauger und können Esel aller Altersklassen betreffen. Beim Fohlen können sie jedoch zu Blutarmut führen. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier und die Läusestiche führen zu Juckreiz, Blutkrusten und haarlosen Stellen. An den Haaren kann man die festgeklebten Läuseeier, die sog. Nissen erkennen. Die Bekämpfung erfolgt mit insektiziden Waschungen im Abstand von 8 – 12 Tagen.

5. Haarlingsbefall

In diesem Jahr war der März und April gezeichnet von Eseln und Pferden mit Haarlingsbefall. Besonders ältere Tiere sind anfällig. Die Tiere sehen etwas gerupft aus und man sieht sie auch manchmal beim jucken. Wenn man aber genau hinsieht oder sogar mit der Lupe schaut, erkennt man „wandernde Schuppen“ an den Haaren. Haarlinge sind 1,4 – 1,8 mm lang. Die Infektion erfolgt von Esel zu Esel. Haarlinge werden auch als Überträger des Virus der Infektiösen Anämie angesehen. Die Behandlung kann je nach Außentemperatur und Wetterlage durch insektizide Waschungen oder Spot on – Behandlungen erfolgen.

6. Fliegenplage

Während der warmen Jahreszeit haben wir sie überall: leckend – saugende und stechend – saugende Insekten, die uns und unsere Vierbeiner ärgern und außerdem auch Krankheitserreger übertragen können! Habronemalarven können in Wunden übertragen werden, sie führen zu Sommerwunden (schlecht heilende Wunden durch umherwandernde Larven). Auch das Virus der infektiösen Anämie kann übertragen werden. Die Augenfliegen können schwere Augeninfektionen übertragen oder auch Augenwürmer. Da Fliegenschutzpräparate immer nur zeitlich begrenzt wirken haben sich Schutzmasken für den Kopf oder bei sehr empfindlichen Eseln sogar Ganzkörperdecken (Ekzemerdecken) bewährt um den Insekten Herr zu werden.

7. Kriebelmückenplage

Vor allem in der Nähe von fließenden Gewässern kommen vermehrt Kriebelmücken vor. Sie sind Blutsauger und bevorzugen den Unterbauch und die Ohren zum Saugen. Die 3 – 4 mm langen Insekten belasten die Esel mit einem kreislaufbelastenden Toxin. In manchen Jahren befallen die Kriebelmücken schwarmartig Esel, die dann Kreislaufschwäche und hochgradige allergische Reaktionen entwickeln können. Extrem gefährdet sind Jungtiere beim ersten Weideaufenthalt und Tiere, die vorher noch keinen Kontakt mit Kriebelmücken hatten. Der Schutz vor diesen Insekten ist nicht einfach. Man kann den Unterbach mit dicken Cremes oder Pasten aus Tonerde, Teer oder Zink einstreichen um einen mechanischen Schutz zu erreichen oder Repellents einsetzen wenn einem die Schmiererei nicht so zusagt.

8. Bremsenplage

Verschiedene Bremsenarten belästigen in der Weidezeit die Esel und entziehen ihnen Blut was zu Leistungsminderung führen kann. Auch Bremsen können Krankheitserreger übertragen. Große Bremsen können bis zu 1 ml Blut während eines Saugaktes aufnehmen! Der Giftstoff, den Bremsen in die Saugwunde absetzen hat eine herz- und kreislaufschädigende Wirkung und führt zu Quaddelbildung und Juckreiz.

9. Lausfliegenbefall

Mir sind am häufigsten die Hirschlausfliegen begegnet. Wenn man Esel im Herbst durch den Wald führt oder reitet kommen sie oft von den Bäumen geflogen und landen dann auf den Eseln. Sie werfen ihre Flügel ab und krabbeln ins Fell. In den nächsten Tagen merkt man, daß die Esel am Hals und über dem Körper verteilt kleine Stiche mit Schwellungen zeigen. Da die Lausfliegen sehr unangenehm stechen sind die Esel verständlicherweise sehr unruhig. Auch hier helfen insektizide Waschungen oder ein Spot on Präparat. Beim Schreiben des Artikels hat es mich ganz schön gejuckt. Geht es Ihnen beim Lesen auch so? Hoffentlich können Sie ein paar Tips nutzen um Ihre Esel vor allzu lästigem Juckreiz zu bewahren!